Creative Cities - Das Versprechen der kreativen Ökonomie

Ö1 SYMPOSIUM 31. März 2009 Diskussion mit Andreas Spiegl, Monika Mokre, Christoph Thun-Hohenstein, Stefan Leitner-Sidl, Walter Gröbchen und Marion von Osten.

Flexibel und selbstbestimmt werken Menschen in kreativen Berufen rund um die Uhr, mit viel Enthusiasmus, oft ohne soziale Sicherheit. Statt fremdbestimmter Lohnarbeit ist Selbstverwirklichung angesagt. Wo sich "kreative Cluster" bilden, florieren Bars, Boutiquen und Galerien. Die Stadt wird zur Spielwiese für die "kreative Klasse" und das Image der kreativen Ökonomie zur positiven Utopie. Der "Künstler-Unternehmer" oder der "Unternehmens-Künstler" gilt in Zeiten der Krise als Idealtypus. Doch wie viel haben Kunst und Unternehmertum wirklich gemeinsam? Wie vertragen sich künstlerische Gesellschaftskritik und wirtschaftliches Gewinnstreben?

2009 ist das "Jahr der Kreativität und Innovation" und die Europäische Union hat sich "Die Förderung der Kreativität für alle" auf ihre Fahnen geschrieben. Mit dem Ende des Industriezeitalters werden die "Creative Industries" von Regierungen weltweit als wirtschaftliches Hoffnungsgebiet beschworen. Kreativität wird dabei als unerschöpfliche Ressource, gar als "Öl des 21. Jahrhunderts" mystifiziert. Arbeitsplätze - so wird suggeriert - schafft man sich selbst, im Home Office, im virtuellen Netzwerk. Befristete "Projekte" ersetzen immer öfter den Job auf Lebenszeit. Lebenslanges Lernen soll die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Doch von der Wertschöpfung der "Ideenwirtschaft" profitieren nur ganz wenige, meist große Unternehmen der Kulturindustrie. Das durchschnittliche Einkommen der "cultural workers" ist sehr gering. Entsteht damit ein neues intellektuelles Proletariat, eine Art Tagelöhnertum im Zeitalter von Web 2.0., selbständig aber doch nicht frei?

Was macht diesen Lebensentwurf dennoch attraktiv? Ist es die Vorstellung aus dem Hobby einen Beruf zu machen? Ist es die Hoffnung auf Star-Ruhm? Oder einfach der Mangel an Alternativen? Muss nun "jeder ein Künstler" werden, frei nach Joseph Beuys? Oder müssen alle Künstler/innen ins Betriebswirtschaftsseminar?Und ist nicht der Zwang zur ökonomischen Verwertbarkeit für das kreative Schaffen letztlich kontraproduktiv? Lässt sich Innovation auf Knopfdruck herstellen? Vor welchen Herausforderungen stehen Kunstförderung und Aus- und Weiterbildungsinstitutionen?

Vorträge: Richard Barbrook, Westminster University, London; Diedrich Diederichsen, Kulturwissenschafter, Berlin / Wien; Geert Lovink, Institute of Network Culture, Amsterdam; Inke Arns, Hartware Medienkunstverein, Dortmund; Jaime Stapleton, Experte f. Intellectual Property, University of London; Maurizio Lazzarato, Soziologe und Philosoph, Paris.

Diskussion
Vom Versprechen der kreativen Ökonomie: Fantasma oder Paradigmenwechsel?
- Andreas Spiegl, Vizerektor der Akademie der Bildenden Künste
- Monika Mokre, Politikwissenschafterin (FOKUS)
- Christoph Thun-Hohenstein, departure Geschäftsführer
- Stefan Leitner-Sidl, Gründer der Schraubenfabrik
- Walter Gröbchen, Labelbetreiber
- Marion von Osten, Künstlerin


Künstlerische Interventionen:
Marlies Pöschl /cre-activity check;
Djana Covic & Fahim Amir / from live models
tagr.tv

Zeit: 31. März 2008, 14.00 - 20.00 Uhr

Veranstaltungsort:
RadioKulturhaus, Großer Sendesaal,
Argentinierstraße 30a, 1040 Wien

Veranstalter: Radio Österreich 1, Wissenschaftsredaktion

Konzept und Moderation: Ina Zwerger und Armin Medosch


EINTRITT FREI

In Kooperation mit
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, BMUKK;
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, BMWF;
departure wirtschaft, kunst und kultur gmbh;
Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds, WWTF;
Akademie für Bildende Kunst, Wien


Im Radio, Ö1
Radiokolleg, 23. - 26. 3., jeweils 9.05 Uhr / 22.15 Uhr
Creative Cities. Das Versprechen der kreativen Ökonomie.
matrix, 5.4. , 22.30 Uhr
Creative Class. Von immaterieller Arbeit und materieller Not

 

 



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